biograph – Düsseldorfer Monatsmagazin  |  Edition 07 – 12/07

EDITION 07 – ZEITGENÖSSISCHER TANZ

Bundo Kanduang
“PARA_dise… a woman…?”  Dt. Erstaufführung
Zeitgenössischer Tanz aus Indonesien
Fr 07. + Sa 08.12. 20h  Großer Saal
 Sa anschl Publikumsgespräch

Jahrhundertealte Rituale treffen auf moderne Tanzelemente, traditioneller Rhythmus auf elektronisischen Sound: Aus der Zusammenarbeit des bekannten Choreografen Boi G Sakti aus dem indonesischen Sumatra mit dem indonesish-niederländischen Regisseur Gerard Mosterd entstand ein hypnotisierendes Ensemblestück für sieben Tänzer.  Boi G Sakti, Preisträger des renommierten Bessie-Awards, ließ sich von der Gemeinschaft der Minangkabau in West-Sumatra inspirieren.  Der Mythos des “Bundo Kanduang” erzählt von der archaischen, mächtigen Königin Mutter und verweist auf die dominante Position der Frau und die Verehrung der Mutter Erde.

DAS INDONESISCHE TANZTHEATER BUNDO KANDUANG ZU GAST IN DÜSSELDORF

Indonesien blick, wie viele asiatische Länder, auf eine facettenreiche und hochvirtuose Tanztradition zurück.  Tief verwurzelt in den Mythen, der Religion und der Geschichte Indonesiens spiegelten die traditionellen Tanzformen über Generationen hinweg überlieferte kulturelle Werte und Riten.  Doch auch vor Indonesiens Tanzkultur hat der Einbruch der Moderne nich halt geacht: Zu den bekannstesten Figuren, die den modernen Tanz in Indonesien prägten, zählte ab Anfang der 1970er Jahre der Tänzer und Choreograf Sardono W. Kusumo. Er schuf eine Brücke zwischen den traditionellen Tanz- und Theaterformen seiner Heimat Java, den javanischen Martial Arts und modernem Tanz westlicher Prägung.  Zugleich zeigte er in seinen Stücken die Brüche und Spannungen auf, die sich in den kulturellen Umwälzungen niederschlungen – etwa indem er in seinem Tanztheater politische Misstände thematisierte, den Raubbau an den tropischen Regenwäldern order überkommene gesellschaftliche Strukturen.  Nachdem er große Erfolge bei westlichen Festivals verbuchen konnte, wurde der Choreograf Sardono W. Kusumo auch in seiner Heimat als Künstler mehr und mehr anerkannt und übte großen Einfluss auf die weitere Entwicklung des indonesischen Tanztheaters aus.

POETISCHE BILDER – POLITISCHE THEMEN

Auch das Tanztheater der indonesischen Gruppe Bundo Kanduang, die derzeit während einer großen Tournee in Indonesien, Singapur, Malasia, Thailand und dann in den Niederlanden und Deutchland zu sehen ist, lässt sich sowohl von den eigenen Tanztraditionen als auch von westlich orientiertem Tanz zu seinen zugleich poetischen als auch politischen Werken inspirieren.  In der Zusammenarbeit des aus dem indonesischen Sumatra stammenden Choreografen Boi G Sakti, der mit einer der höchsten Presise im Tanz, dem Bessie Award, ausgezeichnet wurde, mit dem niederländisch-indonesischen Regisseur Gerard Mosterd spannt sich ein Bogen zwischen Asien und Europa.

MYTHOS DER MUTTERFIGUR

Inspiriert durch die Mutter von Boi G Sakti, der Choreografin Gusmiati Suid, entwickeln sie ein Stück über die Position der Frau in der Gesellschaft.  Ausgehend von einer der letzten bestehenden matriarchalischen Gesellschaften in Indonnesien, den Minangkabau in West Sumatra, und dem Mythos des “Bundo Kanduang”, der von einer archaischen Mutterfigur erzählt, kreieren  sie das bildermächtige Tanzstück “PARA_dise… a woman…?”.  Getanzt von einer internationalen Gruppe mit sieben Tänzerinnen und Tänzer aus Indonesien, den Niederlanden und Japan, schaffen sie ein Kaleidoskop weiblicher Positionen in der Gesellschaft.

GLOBALE DIMENSIONEN

Auch wenn in den Anfangsbildern eine scheinbare Idylle herrscht und die Tänzerinnen mit harmonischen und filigranen Bewegungen einen Zustand der Harmonie, des Einklangs mit der Natur und der Gewaltlosigkeit zu inszenieren scheinen, kündet bereits die Videoprojektion, die im Hintergrund den Tanz untermait, von einer Welt, die sich radikal geändert hat: Wie Gefängnisgitter liegen über der Projektion einer schwebenden Weltkugel die schwarzen Balken eines Rasters, die das Bild der Einheit in viele einzelne Quadrate zu trennen scheinen.  Die Bildfolghen werden immer schneller, die medialen Einflüsse scheinen die harmonische Frauegesellschaft auseinander zu drängen.  Zu traditionellen indonesischen Rhytmen und elektronischen Sounds gewinnt das männliche Prinzip die Oberhand und schiebt das friedliche Matriarchat ins Abseits.

Doch jenseits von eindimensionalen Zourdnungen, die darin lediglich einen Spiegel für die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau im modernen Indonesien lesen, geht es dem Tanztheater Bundo Kanduang mehr um eine globale Dimension: Die Zerstörung der Natur durch eine profitorientierte und rationalisierte Gesellschaft.  Bundo Kanduang erzählt dies in einer faszinierenden Bewegungssprache und findet trotz der Härte des Themas zu Bildern, die zugleich kraftvoll und zart sind.

tanzhaus nrw
Erkrather Str. 30, Düsseldorf
www.tanzhaus-nrw.de
0211 / 17270-0

0 antwoorden

Plaats een Reactie

Meepraten?
Draag gerust bij!

Geef een reactie

Het e-mailadres wordt niet gepubliceerd. Vereiste velden zijn gemarkeerd met *